Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

Wie Stoßdämpfer liegen die 23 Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern der menschlichen Wirbelsäule. Dank des wasserreichen Kerns (Nucleus pulposus) der Bandscheibe wirken diese wie eine Art Wasserkissen und federn Stöße und Druckbelastungen zu einem gewissen Teil ab. Weiterhin erreicht der Mensch durch diese flexible Verbindung der einzelnen Wirbel seine maximale Beweglichkeit. Das bedeutet, dass die Bandscheiben zum einen die Mobilität der Wirbelsäule gewährleisten, aber zum anderen auch den Bewegungsumfang an einem nötigen Punkt einschränken. Umso schlimmer ist es, wenn diese wichtigen Bestandteile unseres Körpers einen Schaden durch Fehlbelastungen davon tragen, und es zu einem Bandscheibenvorfall kommt. Was ein Vorfall genau ist, wie man diesem Vorbeugen kann und was kurativ zu beachten ist, stellt dieser Artikel dar. (Vgl.: doccheck.com)

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe besteht aus einem Faserring und dem oben beschriebenen Gallertkern. In unmittelbarer Nähe der Wirbelkörper und Bandscheiben verläuft der Wirbelkanal, also der Raum, in dem das Rückenmark liegt. Durch einen Riss im Faserring der Bandscheibe tritt diese teilweise in den Wirbelkanal aus und drückt auf dort ansässige Nerven. Das Entweichen des Gallertkerns beschreibt hierbei den Bandscheibenvorfall und ist auf obigem Bild an der letzten Bandscheibe der Lendenwirbelsäule gut zu sehen. Durch den aufgebauten Druck auf wichtige Nervenstränge entstehen beim Betroffenen Schmerzen, die oftmals bis in die Extremitäten ausstrahlen.

Gründe für einen Bandscheibenvorfall sind in der Regel genetische Schwächen und Fehlstellungen der Wirbelsäule, einseitige Belastungen oder eine Schwäche der unmittelbar anliegenden Muskulatur. Aktuelle Studien zeigen auf, dass vermehrte Büroarbeit und ein erhöhter Body-Mass-Index einen Bandscheibenvorfall begünstigen. Hingegen ist die Unfallursache nicht als hinreichender Grund für einen in der Fachsprache sogenannten Prolaps bewiesen. Durch häufige und lang anhaltende Fehlbelastungen, gerade beim Krafttraining, können Erkrankungen der Bandscheiben zusätzlich begünstigt werden. (Vgl.: Wikipedia)

Der Unterschied zur Bandscheibenvorwölbung

Eine Protrusion der Bandscheibe, also eine Vorwölbung, beschreibt einen vorherigen Grad des Prolaps. Der wesentliche Unterschied der beiden Erkrankungen der Wirbelsäule liegt darin, dass bei einer Vorwölbung der Faserring grundsätzlich noch intakt ist. Er tritt jedoch über den Wirbelkörper hinaus und drückt so ebenfalls in den Wirbelkanal, was auf dem obigen Bild an der vorletzten Bandscheibe der Lendenwirbelsäule gut zu sehen ist. Erst im späteren Verlauf wird der Faserring spröde und führt zu einem Austritt des Gallertkerns. Durch die Vorwölbung der Bandscheibe kommt es also ebenso zu einer Einengung der Nervenstränge, was zu ähnlichen Symptomen wie dem Bandscheibenvorfall führen kann. Bei einem Prolaps kann der Körper das vorgefallene Gewebe selbstständig abbauen, was bei einer Protrusion nicht so einfach möglich ist. (Vgl.: Ratgeber-Bandscheibenvorfall.info)

Symptome und Diagnose

Nicht jeglichem Schmerz im Rücken liegt gleich eine Erkrankung der Bandscheibe zugrunde. Typisch für einen Prolaps oder eine Protrusion sind ziehende Schmerzen entlang der Nervenstränge. Häufig also ein ausstrahlender Schmerz vom Rücken bis in die Waden oder die Arme. In schweren Fällen folgen Taubheitsgefühle bis hin zu Lähmungserscheinungen. Eine sichere Diagnose kann durch einen Radiologen mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) erfolgen. Eine solche Untersuchung bildet die verschiedenen Schichten der Wirbelsäule bildlich ab und schafft so die Grundlage für eine sichere Diagnostik. (siehe Artikelbild)

Besonders dringlich sollte ein Bandscheibenvorfall, auch operativ, behandelt werden, wenn es zu schweren Ausfallerscheinungen wie Blasenschwäche oder der Unfähigkeit kommt, auf den Zehenspitzen zu stehen. (Vgl.: Vitanet.de)

Umgang mit akutem und chronischem Prolaps

Die Rehabilitationen beider Erkrankungen, dem Prolaps als auch der Protrusion, folgen grundlegend dem gleichen Vorgehen. Sind die Schmerzen akut, werden vom Arzt entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder Ketoprofen verschrieben. Bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum sollte unbedingt ein Magenschutz eingenommen werden, um durch die Mittel bedingten Geschwüren vorzubeugen. Zudem kann es förderlich sein, die Durchblutung der Nervenstränge durch spezifische Arznei zu fördern. Ferner erfolgt eine manuelle Therapie der Erkrankung durch Massage, Chiropraxis oder Osteopathie. Um die Wirbelsäule während der akuten Erkrankung zu entlasten, hat sich die Stufenlage in Verbindung mit einer Wärmebehandlung bewährt. (Vgl.: DAK.de)

Bei einem chronischen Verlauf des Bandscheibenvorfalls sollte die Muskulatur des Rückens und des Bauchs durch Physiotherapie und Rehabilitationssport gestärkt werden, um so die ausstrahlenden Schmerzen zu lindern. Sind die Übungen bekannt, können diese auch in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt in einem Fitnessstudio durchgeführt werden. Schwimmtraining eignet sich ebenfalls zur Stärkung der unteren und oberen Rückenmuskulatur. (Vgl.: Rehakliniken.de)

Bei einer Bandscheibenvorwölbung hat sich in einigen Fällen ein mechanisches „Gegenwirken“ als schmerzlindernd erwiesen. Durch bewusste Dehnung des Lendenbereichs und die temporäre Stellung im Hohlkreuz kann der Faserring teilweise zurückgedrängt werden. Die Folge ist eine oftmals ersehnte Linderung der Schmerzen. Hierbei ist vor allem der angehobene Rücken in Bauchlage, gestützt durch gestreckte Arme sehr erfolgversprechend.

Welche Sportarten sind noch möglich?

Wer einen Bandscheibenvorfall erleidet, muss nicht automatisch für den Rest seines Lebens inaktiv sein. Aktuelle Studien zeigen sogar auf, dass Bewegung eine Rehabilitation begünstigt. Die Frage ist also nicht ob, sondern welcher Sport nach einem Bandscheibenvorfall ausgeübt werden darf. Prinzipiell lässt sich sagen, dass sämtliche Sportarten, welche zu einer Streckung und Stauchung der Wirbelsäule führen, vermieden werden sollten. Zu diesen betroffenen Sportarten zählen u.a. Reiten, Abfahrtsski, Snowboarding und Volleyball. Ferner sollten auch plötzliche Drehbewegungen und einseitige Belastungen vermieden werden. Somit fallen auch Bowling, Tennis, Squash und Turnen für Vorgeschädigte aus.

Kraftsportler hingegen sollten die Prioritäten des Muskelaufbaus neu ordnen. Statt schwere Gewichte zu stemmen, sollten vorwiegend Ziehübungen für Rücken und Bauch in den Plan aufgenommen werden. Soweit es möglich ist, sollten Übungen durch Rücken- oder Bauchstützen „abgesichert“ werden. Exzessives Bodybuilding sollte allerdings nicht mehr betrieben werden. (Vgl.: Special-rueckenschmerz.de)

Die richtige Haltung im Alltag

Nach einem Bandscheibenvorfall fragen sich Patienten häufig, wie sich ihre Körperhaltung nun optimieren lässt. Beim Sitzen, Laufen, Bücken, aber auch im Bett führt die kleinste Fehlhaltung zu erheblichen Schmerzen entlang des eingeengten Nervs. So gelten Faustregeln, die den Alltag des Prolaps-Patienten verbessern:

Langes Sitzen vermeiden: Durch das Sitzen nimmt die Wirbelsäule eine unnatürliche Form an. Durch die Abweichung des klassischen S-Verlaufs kann es zu einer Steilstellung einzelner Bereiche der Wirbelsäule kommen, was die Rehabilitation des Bandscheibenvorfalls negativ beeinflussen kann. Eine solche Steilstellung ist auf dem Artikelbild gut zu sehen.

Ein hohes Maß an Bewegung: Die klassische S-Form nimmt die Wirbelsäule hingegen beim Stehen und Laufen ein. Deshalb sollte auf ein ausreichendes Maß an Bewegung geachtet werden. Schreibtisch-Jobber sollten in regelmäßigen Abständen die Arbeit, sofern möglich, im Stehen fortsetzen.

Schweres Heben vermeiden: Wie oben beschrieben, agieren die Bandscheiben als Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Das Tragen schwerer Lasten würde diese zusätzlich beanspruchen und das Krankheitsbild verschlimmern. Lässt es sich nicht umgehen, sollte unbedingt aus den Beinen gehoben werden. Der Rücken muss dabei zwingend gerade und gestreckt bleiben.

Häufiges Bücken vermeiden: Unzählige Male muss sich ein Mensch am Tag bücken. Für einen Prolaps-Patienten kann dies jedoch schnell zu weiteren Schmerzen führen. Aus diesem Grund sollte man sich so wenig wie möglich bücken. Ist es unumgänglich, muss auf einen geraden Rücken geachtet werden. Es empfiehlt sich zusätzlich, nach der „Aktion“ kurz zurück ins Hohlkreuz zu gehen. Die Schuhe sollte man sich verwiegend im Sitzen anziehen, da hier eine längere Belastung auf die gebeugte Wirbelsäule einwirkt.

Rückenlage vermeiden: Der Mensch schläft im Schnitt acht Stunden pro Tag. Deshalb ist die richtige Körperhaltung auch im Bett wichtig. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist die Rückenlage für viele Patienten undenkbar. Auch die Bauchlage bringt die Wirbelsäule in eine Fehlstellung, die Verspannungen auslösen kann. Optimalerweise sollten sich Betroffene auf die Seite legen und ein mittelgroßes Kissen zwischen die angewinkelten Knie legen. (Vgl.: schoen-kliniken.de)

Präventive Maßnahmen gegen einen Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfälle resultieren, wie oben erwähnt, häufig aus genetischen Veranlagungen und lang anhaltenden Fehlstellungen der Wirbelsäule. Zusätzlich falsche Belastung kann in der Folge den Prolaps begünstigen. Deshalb gilt als erste Faustregel, dass die richtige Körperhaltung immer gewahrt werden muss. Sowohl beim Bücken als auch beim Tragen schwerer Lasten sollte der Rücken gerade bleiben.

Weiterhin gilt ebenso wie bei den kurativen Maßnahmen, dass häufiges Sitzen vermieden werden sollte, da so Fehlstellungen der Wirbelsäule begünstigt werden. Lässt sich Sitzen nicht vermeiden, kann regelmäßiges Wechseln der Position erleichternd wirken. Der Stuhl sollte zudem der Körpergröße angepasst sein. Das heißt, dass die Knie etwas tiefer als das Becken liegen sollten.

Eine Steilstellung der Wirbelsäule resultiert zudem häufig aus ungleich gestärkter Muskulatur. Gezielter Muskelaufbau des Bauches sowie des Unter- und Oberrückens hilft folglich, einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Gerade Kraftsportler und Arbeitnehmer, die häufig schwere Lasten tragen müssen, brauchen hier eine gut trainierte Muskulatur. Doch auch hier gilt: Bei jeder Belastung muss der Rücken gerade und gestreckt sein. (Vgl.: Onmeda.de)

Fazit

Die Bandscheiben sind wichtig für die Bewegung der Wirbelsäule. Ärgerlich ist es, wenn es zu einem Bandscheibenvorfall oder einer Vorwölbung kommt. Doch lassen sich die Schmerzen durch richtiges Verhalten im Alltag und gezielten Muskelaufbau überwiegend nehmen. Wer möchte, kann seine Muskulatur durch Schwimmtraining aufbauen. Hier gilt jedoch, dass Brustschwimmen eher schlecht für die Wirbelsäule ist, solange die Ausführung nicht 100% richtig vorgenommen wird. Ärzte empfehlen daher Rückenschwimmen und Kraulen, um die Muskelpartien zu trainieren. Fitnessstudios können ein guter Ausgleich für Prolaps-Patienten sein. Das Training für Bauch und Rücken sollte jedoch mit dem Arzt und einem Fitnesstrainer abgesprochen sein. Viele Studios bieten heutzutage speziell konzipierte Trainingspläne für Betroffene an.

Übrigens: In nur wenigen Fällen ist eine Operation der Bandscheibe wirklich notwendig. Man sollte vor diesem Schritt immer eine zweite fachliche Meinung einholen.